Das Saldenburger Kriegerdenkmal

Nachdem Saldenburg 1961 eine eigene Filialkirche erhalten hatte, wurde auf Initiative vor allem von 1. Vorstand Anton Lechl, „der es sich“ nach den Worten des Chronisten „trotz seiner 79 Jahre fest vorgenommen hatte, mit allen Kräften dafür zu arbeiten, dass auch Saldenburg ein Gefallenen-Ehrenmal bekam“, in der Generalversammlung vom 22.03.1964 einstimmig beschlossen, dieses Vorhaben, wenn möglich, zu realisieren, zumal dies auch dem Wunsch vieler Gemeindebürger, die nicht dem Verein angehörten, entsprach. Der Gemeinderat war, wie der Chronist berichtet, bei der Diskussion über dieses Vorhaben der Auffassung, „dass ein solches Denkmal zum einen eine kulturelle Bereicherung für das Dorf bedeute und zum anderen einen Dankesbeweis der ganzen Gemeinde und nicht nur eines Vereins für das hohe Opfer der Gefallenen darstellen soll“, und beschloss daher, die Anschaffung des Denkmals mit 50% zu bezuschussen. Dennoch war es, wie bei der Vorbereitung der Fahnenweihe im Jahre 1958, für den Verein nicht einfach, die erforderliche Summe aufzubringen.  „Die größte und schwierigste Aufgabe, die jetzt auf den Verein zukam, war die Beschaffung von rund 3000,- DM. Deshalb musste möglichst sofort wieder eine Sammelaktion gestartet werden. Die Vorstandschaft war sich im Klaren darüber, dass diese nur dann den gewünschten Erfolg erbringen konnte, wenn es vorher gelingen würde, die Aufstellung des Denkmals zu einer ‚Ehrensache’ der gesamten Gemeindebevölkerung zu machen. Diese ‚seelische Mobilisierung’ gelang erstmal durch den weitestgehenden Einsatz der Vereinsmitglieder, durch größtes Entgegenkommen der Gemeindeverwaltung und schließlich, was sehr wichtig war wie schon seinerzeit bei der Fahnenweihe, durch selbstlose Mithilfe von Geistlichkeit und Lehrern. So wurde es möglich, mit insgesamt neun Sammellisten in der Zeit von Juli 1964 bis Juni 1965 allein bei der Gemeindebevölkerung rund 3000,- DM zusammenzubringen. Etwa 700,- DM wurden auf Bittbriefe hin von Brauereien und Banken auf das Vereinskonto überwiesen; rund 600,-- DM erbrachte schließlich noch der Kartenvorverkauf ein.“

 

Kriegerdenkmal

Der Bildhauer Karl Mader aus Englburg, der mit der Schaffung des Denkmals in Granit beauftragt worden war, stellte im Juni 1964 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seinen Entwurf vor, der von der überwiegenden Mehrheit gebilligt wurde, so dass der Künstler an die Arbeit gehen konnte. Das Denkmal stellt nach der Idee seines Schöpfers einen älteren Krieger dar, der helfend einen jüngeren verwundeten oder sterbenden Kameraden in seinen Armen hält und ihm in seiner Not beisteht. Es bringt somit symbolhaft und einprägsam jene Tugenden zum Ausdruck, die in der konkreten Notsituation des Krieges unabdingbar und auch im Frieden die Grundlage menschlichen Zusammenlebens sind: Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Diese Bedeutung des Mahnmals brachte Bürgermeister Robert Vogl in seiner Ansprache bei der Einweihung am 18. Juni 1965 in eindringlichen Worten zum Ausdruck: „Jede Weihe hat ihren eigenen Sinn, ihren eigenen Charakter. Was Wunder, wenn die Weihe eines Gefallenendenkmals in einer kleinen Bayerwaldgemeinde noch viel mehr ihre ganz gewisse, ureigenste Note hat, wo doch die Erstellung, die Form, der ausgesuchte Platz, überhaupt allein schon der Entschluss, ein solches Ehrenmal in Auftrag zu geben, eine schon Monate vorher beginnende lebhafte Diskussion ausgelöst haben.

 

Kriegerdenkmal

Hier nun das Ergebnis dieser Debatten, das Ergebnis der freudig gegebenen Spenden, das Ergebnis des Zusammenhaltens der Gemeindebürger. Hier hat es nun seinen Platz gefunden, dieses Denkmal, geschaffen zu Ehren, zum Gedenken an alle diejenigen aus unserer Mitte, die ihr Leben in den beiden letzten Kriegen hingegeben haben. Ich sagte eingangs, dass dieses Ehrenmal eine ganz besondere Bedeutung für uns hat, weil von uns allen hier in unserer Gemeinde ein naher oder nächster Verwandter, der Vater oder der Sohn, der Bruder oder Onkel in diesem mächtigen Gedenkstein symbolisch verewigt sein sollen, weil der alte, gebeugte Mann, der den sterbenden Jüngeren in seinen Armen hält, uns immer wieder zurufen soll: ‚Vergesst uns nicht! Bewahrt uns einen kleinen Winkel in eueren Herzen, uns, die wir das Leben für euch hingegeben haben!’ Könnten diese beiden Gestalten aus Stein zu uns reden, würden sie wohl auch die ernste Mahnung an uns richten: ‚Sorgt dafür, dass es nie wieder zu solch sinnlosem Morden kommt!“

Kriegerdenkmal Einweihung_1
Kriegerdenkmal Einweihung_2
Kriegerdenkmal Einweihung_5

Gegen Ende der 90er Jahre ergab sich im Zuge der grundlegenden Neugestaltung des Platzes zwischen Kirche und Rathaus die Möglichkeit, auch den Standort des Kriegerdenkmals in die Planungen miteinzubeziehen. Bürgermeister Gebert und der Gemeinderat standen der Maßnahme von Anfang an positiv gegenüber und sagten auch konkrete Hilfe zu. Man kam schließlich überein, das Kriegerdenkmal etwa in der Mitte des Platzes auf einem rautenförmig gestalteten Granitsockel vor dem markanten, naturbelassenen Felsen des Burgberges aufzustellen. Am 9. September 2000 konnte das mit viel Unterstützung des gemeindlichen Bauhofs versetzte Kriegerdenkmal mit einem Gottesdienst, den der Singkreis Saldenburg unter der Leitung von Frau Maria Kapsner mit der ‚Waldler-Messe’ musikalisch umrahmte, in Anwesenheit von allen Ortsvereinen und einigen Abordnungen von Nachbarvereinen an seinem neuen Standort feierlich eingeweiht werden. Pfarrer Paul Zillner verwies in seiner Festpredigt auf den Symbolgehalt von Kriegerdenkmal und Altar: Durch das Monument, „das an das Leiden unschuldiger Menschen, die Opfer von Krieg und Gewalt, Profitgier und Machtstreben einzelner Gewaltherrscher geworden seien, erinnere, würden wie durch den Altar die Menschen zu Gemeinsamkeit und Miteinander aufgerufen, um Frieden zu halten“ (Grafenauer Anzeiger vom 03.10.2000). Nach dem Gottesdienst klang das Fest mit einem gemütlichen Beisammensein in der ‚Binda-Schupfa’ aus.

 

 

Volkstrauertag 23