Friedensandacht
Erinnern. Mahnen. Handeln.
Bewegende SKV-Friedensandacht in Saldenburg – Kinder gestalten Gedenken zum 80. Jahrestag des Kriegsendes
Saldenburg.
Die Kirche „Zur Heiligen Familie“ in Saldenburg war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Soldaten- und Kriegerverein zur Friedensandacht anlässlich 80 Jahre Kriegsende lud. Ein bewegendes und modernes Konzept mit Kindern im Zentrum, musikalischer Begleitung und eindringlichen Botschaften rührte das Publikum – darunter auch Ehrengäste wie Saldenburgs Bürgermeister Max König, MdL Martin Behringer und Landrat Sebastian Gruber.
Es war ein Abend der besonderen Art, ein Gedenken, das die Geschichte achtete und gleichzeitig in die Zukunft wies. Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes 1945 hatte der Soldaten- und Kriegerverein Saldenburg zu einer Friedensandacht in die Filialkirche „Zur Heiligen Familie“ geladen – mit sehr großer Resonanz.
Schon beim Betreten des Kirchenraums wurde deutlich: Diese Andacht würde in Erinnerung bleiben. 80 kleine Lichter leuchteten auf dem Altar – jedes einzelne stand für ein Jahr Frieden seit 1945. Dazwischen lagen kleine Granitwürfel, Sinnbilder der Erinnerung und Mahnung. Bunte Luftballons schwebten frei im Kirchenraum – ein kindlich-fragiles Symbol der Hoffnung. Die SKV-Kerze stand als Licht der Gegenwart Jesu im Mittelpunkt.
Eröffnet wurde die Andacht mit feierlich-festlichen und zugleich modernen Klängen der Bläsergruppe des Musikvereins Thurmansbang, bevor Pfarrer Xavier Prodduturi die Andachtsbesucher stimmungsvoll begrüßte: „Jesus ist das Licht für die Welt. Gib uns Frieden. Gib uns Freiheit.“
Erinnerung als Pflicht – nicht als bloßer Rückblick
Der zentrale Impuls von Dr. Stefan Hundsrucker, Vorsitzender des Soldaten- und Kriegervereins, verband Geschichte mit Gegenwart.
Mit dem Zitat George Santayanas „Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ leitete Hundsrucker seine Grußworte ein. Er zeichnete ein facettenreiches Bild des 8. Mai 1945, der nicht nur das Ende eines unfassbaren Krieges bedeute, sondern vor allem den Beginn einer neuen Verantwortung. Der „Tag der Befreiung“ dürfe gerade heute nicht relativiert werden – nicht in einer Zeit, in der extreme politische Kräfte versuchten, den Geist von 1945 umzudeuten.
Hundsrucker fand klare Worte gegen diese Umdeutungsversuche: „Wenn ein Tag der Befreiung zum Tag der Niederlage erklärt wird, dann ist nicht nur Geschichte in Gefahr – sondern auch unsere Gegenwart.“ Umso wichtiger sei es, auch in den Gemeinden und vor Ort im Kleinen die Erinnerung wach zu halten – und dies nicht nur einmal im Jahr, sondern mit bleibendem Engagement in Vereinen, Familien und im Miteinander. Er erinnerte eindringlich an das Leid, das der Krieg selbst in kleinste Orte brachte: Zerstörte Existenzen, Gefangenschaft, Tod – viele Namen auf den Gedenktafeln in der Kirche stünden stellvertretend für dieses Leid. Doch der Abend solle kein Moment starrer Trauer sein, sondern lebendige Mahnung und aktives Friedensbekenntnis: „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er ist ein Geschenk – aber auch ein Auftrag.“
Gerade Soldaten- und Kriegervereine stünden deshalb in einer besonderen historischen Verantwortung: Nicht, wie oft unterstellt, als Bewahrer einer verklärten Kriegstradition – sondern als Vermittler von Friedensbewusstsein, Erinnerungskultur und demokratischer Wachsamkeit. Hundsrucker rief dazu auf, sich gegen Gleichgültigkeit zu stellen und für demokratische Werte einzustehen – besonders in einer Zeit, in der Zeitzeugen wie Margot Friedländer nun endgültig verstummen. „Unsere Aufgabe ist es, ihre Stimmen weiter hörbar zu machen – mit unseren eigenen Worten, in unseren Taten, in unserer Haltung.“
Dann war es an den Kindern, die Andacht weiter zu gestalten: Sechs junge Sprecherinnen und Sprecher traten an den Altar und legten symbolische Steine nieder – jeder einzelne mit einem Gedanken zu Angst, Trauer, Zerstörung, Trennung und Hoffnung. Besonders eindrucksvoll: „Dieser Stein ist unser Wunsch: Nie wieder Krieg.“ Es folgte ein kurzes Video, das Zeitzeugenbilder vom Kriegsende 1945, die kürzlich verstorbene Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und eine Friedensbotschaft des neuen Papstes Leo XIV. verband.
Pfarrer Xavier und Hundsrucker erinnerten dann gemeinsam an die zahllosen Opfer von Krieg, Flucht und Terror – ein stiller Moment, begleitet vom feierlichen Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“, gespielt von den Bläsern.
Ein Bild vom Frieden – mehr als eine Idylle
Ein erzähltes Gleichnis über zwei Kunstwerke zum Thema „Frieden“, gelesen von Nina und Markus Klessinger, stellte eindrücklich dar, dass echter Frieden nicht die Abwesenheit von Schwierigkeiten, sondern die innere Ruhe inmitten von Stürmen sei – eine starke Metapher, die auch viele Erwachsene zum Nachdenken brachte.
In den Gedanken, die nachfolgten, nahm Pfarrer Xavier diese Vorstellung auf: „Frieden ist nicht immer laut. Oft beginnt er im Herzen – ganz leise.“ Der Singkreis Saldenburg, unter der Leitung von Josef Ponigl, intonierte im Anschluss das Lied „Laudate omnes gentes“.
Es folgte ein weiteres Wechselspiel aus Kinderstimmen und Gedanken der Vereine. Die jungen Mitwirkenden formulierten in klaren Worten, was Frieden für sie bedeutet: Zuhören, Mut, Liebe, Hoffnung – und der Wunsch, gemeinsam eine friedliche Zukunft zu gestalten. Zum Schluss zogen die Kinder erneut ein – diesmal mit Luftballons, die sie zusammen mit Friedensbotschaften an den Bänken befestigten. „Wo Frieden ist, können Träume fliegen“, sagte eines der Kinder – ein Satz, der vielen Anwesenden noch im Gedächtnis bleiben dürfte.
Politische Wertschätzung – persönliche Worte
Die Anwesenheit der Ehrengäste unterstrich die Wertschätzung des Erinnerungsgedankens. MdL Martin Behringer sprach über die Friedens-Mahnung des neuen Papstes und die Wichtigkeit einer lebendigen Erinnerungskultur. Landrat Sebastian Gruber schließlich fand sehr persönliche Worte, als er – vor dem Hintergrund einer historischen Woche mit neuem Bundeskanzler, Erinnern an das Kriegsende und einem neuen Papst – auf den Wert von 80 Jahren Frieden in den Familien blickte und betonte: „Frieden ist kein Zustand, den man verwalten kann – er muss gelebt, geschützt und weitergegeben werden.“ Seinen besonderen Dank richtete er an Dr. Stefan Hundsrucker als SKV-Vorstand für die „moderne und bewegende Gestaltung“ des Abends.
Abschluss mit Musik und Miteinander
Die feierliche Andacht endete mit dem kraftvollen Lied „Großer Gott, wir loben dich“, ergänzt um neue, eigens für diesen Anlass gedichtete Strophen, die den Frieden in den Mittelpunkt rückten. Der gemeinsame Gesang von Chor, Bläsern und Gemeinde verlieh dem Kirchenraum dabei eine richtig feierlich-bewegte Stimmung.







